- New Yorker Virtuose entfacht wahren Orgelsturm in St. Franziskus (in German)

Pforzheim, 15.01.2014

von Rudolf Wesner

Dass es in der St. Franziskuskirche eine Orgel mit außergewöhnlichem Klangvolumen gibt, hat sich bis nach New York herumgesprochen. Der in den USA hoch geschätzte Orgelvirtuose Stephen Tharp erfuhr davon und fragte bei Bezirkskantor Michael Eckerle an, ob er auf dem Instrument konzertieren dürfte.

Am Sonntagnachmittag erfüllte sich der Wunsch des Musikers. Tharp spielte auf der Steinmeyer-Göckel-Orgel weltliche Kompositionen des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf dem Programm standen auch Orchester-Werke, für die der Musiker eine Orgelfassung geschaffen hatte, beispielsweise „Der Zauberlehrling“ von Paul Dukas. Dieses nach dem Goethe-Gedicht im Jahr 1897 von dem französischen Spätimpressionisten geschriebene Konzertstück erklang auf der Orgel höchst farbenreich und dramatisch.

Ähnlich wie zuvor in der Aufführung der Ouvertüre zum Oratorium „Paulus“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy in der Orgelfassung von William T. Best, verstand es der Virtuose aus New York, einen kraftvoll leuchtenden Spannungsbogen auszubreiten. An den Pariser Komponisten und Virtuosen Louis Vierne erinnerte die Wiedergabe einer „Berceuse à la mémoire de Louis Vierne“ von Pierre Cochereau (1924–1984). Verträumt erklang eine ruhevoll dahinströmende Version der Komposition aus dem Jahr 1973. Dagegen breitete Tharp in der „Circus Polka“, von Strawinsky im Jahr 1942 komponiert, burleskes Spiel in heiterer Rhythmik aus und betonte die humorvollen Pointen. Auch das romantisch und empfindungsreich angelegte Intermezzo in A-Dur, Opus 118, Nummer zwei, von Johannes Brahms hatte der New Yorker für die Orgel eingerichtet. Die liedhafte Melodik ließ er in seiner Interpretation feinstimmig registriert erklingen.

An den Schluss seines von hoher Virtuosität und vitaler Gestaltungskraft geprägten Konzerts hatte Stephen Tharp seine Fassung des Totentanzes von Franz Liszt als brillantes und furioses Finale gestellt. Düster und gespenstisch wirkende Motive erlebten expressive Steigerungen, choralähnliche Melodik breitete sich meditativ und weltabgewandt aus. Die Interpretation gipfelte in einem wahren Orgelsturm. Stehende Ovationen für solch mitreißendes Spiel.