- New Yorker Star an der Sandtner-Orgel in der Basilika (in German)

Mit einem sensationellen Programm wartete der New Yorker
Meisterorganist in der Basilika auf

Internationale Koryphäe an der Sandtner-Orgel in der Basilika
Konzert Stephen Tharp aus New York spielte mit außergewöhnlicher Virtuosität

Donauzeitung, 11. Oktober 2012
von Gernot Walter

Dillingen Stadtpfarrer Wolfgang Schneck und Hans-Jürgen Weigl, der 1. Vorsitzende des Fördervereins Dillinger Basilikakonzerte waren wie die 150 Besucher gefesselt von Programm und Interpretation beim letzten diesjährigen Orgelkonzert. Stephen Tharp aus New York, der auf seiner Europatournee am vergangenen Sonntagnachmittag Halt in Dillingen machte, erhob mit seinem Auftritt die Veranstaltung in den Rang des Außergewöhnlichen. Gerd Pecher und sein Team vertieften mit einer Video-Installation den Höreindruck. Auf der großen Leinwand vor dem Volksaltar konnten die gebannt lauschenden Zuhörer auch optisch die fantastische Leistung des New Yorker Organisten nachvollziehen. Sie erlebten eine faszinierende Musikerpersönlichkeit, die mit kraftvoller Energie, gedanklicher Durchdringung und spielerischer Eleganz hauptsächlich Werke des 20. Jahrhunderts darbot. Sein herausragendes Können erlaubte es Stephen Tharp nachschöpferisch tätig zu sein. Er sucht die Herausforderung, um mit seiner überragenden Technik auf der Orgel in orchestrale Dimensionen vordringen zu können. Dabei kam ihm die Disposition der Sandtner-Orgel sehr entgegen, die er umfassend ausnutzte.
Die Besucher sahen und hörten, wie Tharp bei der Adaption des dritten Brandenburgischen Konzertes von J.S.Bach den Wechsel zwischen Tutti und Einzelchören auf den unterschiedlichen Manualen als lebendiges, bewegtes Klangbild realisierte. Der hinreißende Schwung, der übersichtliche Aufbau und die Verbindung kontrapunktischer Satzkunst mit spielerischer Musizierfreude gaben dem Schluss-Allegro ein herrliches Gepräge. Im gleichen Geist die lebhaft erklatschte Zugabe von J.S.Bach, die Gigue-Fuge BWV 577.

Das Gespür für Wirkungen, für die Essenz moderner Kompositionen und das Wissen um dessen stupende Virtuosität brachte Tharp ihm gewidmete Werke ein. So Anthony Newman (Connecticut) mit dem „Tombeau d’Igor Stravinsky“ aus dem Jahre 2000. Tharp selbst transkriptierte Strawinskys „Petrouschka“. Was der Konzertorganist hier demonstrierte, grenzte an Zauberei. Schon Debussy sah 1911 in der Petruschka-Musik „eine klingende Magie, eine geheimnisvolle Verwandlung mechanischer in menschliche Seelen“. Die Füße tanzten über den Pedalen, die Hände hämmerten in rhythmischer Ekstase über die Tasten der Manuale und erzeugten einen hinreißenden Klangwirbel. Ähnlich futuristisch, als musikalischer Aufschrei mit stringenten Klangballungen hatte Tharp seine Transkription von Pierre Cochereau (1974) „Venez, Divin Messie“ aufgefasst. Wie sensibel sich der Organist in mystische Zusammenhänge hineinversetzen kann, bewies er mit den „Trois Nouvelles Pièces“ von Charles Widor und der „Aria“ in d-Moll aus der 6. Sinfonie von Louis Vierne(1930). Das Schwellwerk des 3.Manuals präsentierte das weiche, in chromatischen Windungen erfüllte Motiv, getragen von schmückendem harmonischem Beiwerk auf dem 2. Manual, während das Pedal einen dunkel schwebenden Untergrund beisteuerte. Immer wieder wechselte Tharp Manuale und Register und verdichtete so die kompositorischen Vorgaben. Die Zuhörer waren sich des einmaligen Ereignisses bewusst und applaudierten vehement.