- Big Apple in Don Bosco (in German)

Germering (ek), 05.10.2012
von Ellen B. Knerr

Großes Kino in der Don Bosco Kirche. Am vergangenen Freitag gab sich Stephen Tharp an der Riegner & Friedrich Orgel in Germering die Ehre. Der Meisterorganist aus New York trat im Rahmen der losen Konzertreihe „Musik in Don Bosco - Musikherbst 2012“ auf.

Der in der Fachwelt gefeierte Amerikaner hatte ein Programm zusammengestellt, dessen Auswahl der Germeringer Orgel geschuldet gewesen sei. Das Instrument sei - so Tharp frei übersetzt - vergleichsweise „klein aber fein“. Er habe daher, wie der Organist vor Konzertbeginn selbst erläuterte, versucht, mit den ausgesuchten Werken die Besonderheiten der Registratur an der hiesigen Orgel herauszuarbeiten.

Was vor gut gefülltem Haus dann zu Gehör kam, verblüffte. Selten kann im Zusammenhang mit einem Orgelkonzert tatsächlich von Brillanz gesprochen werden. Dies ist eigentlich aus der akustischen Wechselwirkung zwischen Orgel und großem Kirchenraum heraus mit oft gewolltem Verschwimmen der Klänge auch kaum möglich. Doch Stephen Tharp brillierte. In selten gehörter Klarheit setzte er nachgerade jeden einzelnen Ton in Szene ohne dabei jemals das Gesamtwerk und dessen Wirkung zu vernachlässigen.

So schaffte es der Künstler mühelos, ein gefälliges Programm aus Werken vom Barock bis zur Gegenwart zu einem Rausch für alle Sinne werden zu lassen. Für alle Sinne auch deshalb, weil Stephen Tharps „Arbeit“ am Instrument per Videoübertragung für alle Zuhörer direkt auch optisch mitzuverfolgen war. Seit der musikalische „Hausherr“ in Don Bosco, Kirchenmusiker Christoph Hauser, diese Live-Video-Technik bei Orgelkonzerten eingeführt hat, bekommt auch der unerfahrene Konzertgast zu sehen, was an der Orgel im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füssen an Pedalen, Manualen und Registern zu leisten ist.

Selbst ein begnadeter Organist ist es Christoph Hauser, seinen guten Kontakten zu Kollegen und seiner konkurrenzneidlosen Liebe zur Musik und ihren Interpreten auch zu verdanken, dass ein solches Juwel wie Stephen Tharp in Don Bosco Station machte. Tharp, der, um die Dimensionen zu verdeutlichen, beispielsweise 2008 der offizielle Organist beim Papstbesuch in New York war, spielt ansonsten bei Deutschlandaufenthalten etwa in der Dresdner Liebfrauenkirche, im Hamburger Michel oder im Münchner Dom.

Die Germeringer bedankten sich für den viel zu schnell vergangenen genussvollen Abend mit stehenden Ovationen. Es gab – wie man’s im Theater sagen würde, zig Vorhänge und zwei berauschende Zugaben. Und hätte das Publikum nicht ein Einsehen gehabt, hätten sie Stephen Tharp bis zum nächsten Morgen an die Orgel zurückgeklatscht.

Vielleicht wird ja der Starorganist einmal wieder hier auftreten: Wie man aus eingeweihten Kreisen hört, erwägt der Amerikaner, der Europa so liebt, sogar vom Big Apple weg nach Deutschland auszuwandern.